Neueste Studie zur Internetnutzung

Junges Paar mit Laptop auf der Couch

Beliebter als ein Radio mit drei Knöpfen

Manchmal ist es mit den Voraussagen eine schwierige Angelegenheit. Anfang März 2001 veröffentlichte das Hamburger Zukunftsinstitut eine Studie, “Die Zukunft des Internets”. “Das Internet wird sich auf absehbare Zeit nicht zu einem Massenmedium wie Radio und Fernsehen entwickeln. Im Gegensatz zum einfachen Telefon oder einem Radio mit drei Knöpfen ist das WWW mehr denn je eine kompliziert zu bedienende Angelegenheit”, erklärte der Trendforscher Matthias Horx die Ergebnisse der Studie. Der Anteil der Menschen, die das weltweite Datennetz nutzen, werde zwar steigen, nicht aber die Breitennutzung.

72 Prozent der Deutschen über 14 sind täglich im Netz

Wie völlig daneben die Forscher damals mit ihrer Prognose lagen, zeigt jetzt die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie, die seit 1997 jährlich im Auftrag der ARD/ZDF-Medienkommission Daten zur Internetnutzung in Deutschland ermittelt. Im Jahr 2017 nutzten 62,4 Millionen der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren das Internet. Das entspricht einem Anteil von 90 Prozent. 72 Prozent der ab 14-Jährigen, respektive 50 Millionen Personen, nutzten das Internet täglich. So heißt es in der Studie, die auf einer Befragung von 2.000 Personen im März und April 2017 beruht und die im Oktober vergangenen Jahres veröffentlicht wurde.

Durchschnittlich 149 Minuten waren die Menschen täglich im Internet unterwegs, also knapp zweieinhalb Stunden. Das sind 21 Minuten mehr als im Vorjahr.

Männer lagen bei knapp drei Stunden, Frauen bei gut zwei Stunden. 14- bis 29-Jährige nutzten das Internet mehr als viereinhalb Stunden pro Tag, 30- bis 49-Jährige rund drei Stunden. Ein deutlich niedrigeres Niveau erreichten die beiden Altersgruppen darüber: 50- bis 69 Jahre gut anderthalb Stunden, über 70 Jahre etwas mehr als eine halbe Stunde.

Zeitung lesen, Nachrichten verfolgen, Radio hören, Filme sehen

Von insgesamt 149 Minuten (knapp 2,5 Stunden) täglicher Internetnutzung wurde eine dreiviertel Stunde für Mediennutzung aufgewendet. Rund eine Stunde Zeit entfiel auf die Individualkommunikation.

Bei den 14- bis 29-Jährigen dominierten 2017 mediale Inhalte.

53 Prozent der Bevölkerung nutzten mindestens einmal pro Woche eine der Bewegtbildformen im Internet, dies sind drei Prozentpunkte weniger als 2016. Dieser Rückgang lässt sich auf leichte Verluste bzw. auf Stagnation bei der Bewegtbildnutzung auf Videoportalen, in Communitys wie Facebook und sendereigenen Mediatheken zurückführen. Während vor allem die Video-Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime und Maxdome in einem Jahr um elf Prozent auf 23 Prozent angestiegen sind. Fernsehinhalte wurden von 22 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal in der Woche online gesehen.

Insgesamt addieren sich alle Audionutzungsformen zu einem Audionettowert von 46 Prozent (mindestens einmal in der Woche). Musik-Streamingdienste legen von 2016 auf 2017 um neun Prozent zu und wurden nun von 19 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung mindestens einmal in der Woche genutzt. Gleichzeitig hatte auch das Hören von Radio-Livestreams im Internet eine ansteigende Tendenz: 14 Prozent, das entspricht einem Plus von zwei Punkten. Die zeitversetzte Nutzung von Radiosendungen sowie das Anhören von Hörbüchern und Hörspielen über das Internet rangierten mit drei bis vier Prozent deutlich dahinter, hatten aber eine konstante Bedeutung für kleinere Zielgruppen.

Immer mehr Menschen sind online unterwegs

Lag die tägliche Unterwegsnutzung des Internets 2015 noch bei 18 Prozent, so lag sie 2017 bei 30 Prozent, gegenüber dem Vorjahr kamen noch einmal zwei Prozentpunkte hinzu.

Bei Facebook war hinsichtlich der Reichweite eine Stagnation zu verzeichnen. 2017 wurde Facebook von 33 Prozent der Deutschen mindestens einmal in der Woche und von 21 Prozent täglich aufgesucht, 2016 waren es 34 und 22 Prozent. Ähnliches gilt für Twitter, dessen Reichweiten stagnierten weiterhin auf niedrigem Niveau und lagen bei drei Prozent wöchentlicher und einem Prozent täglicher Nutzung. Auch die anderen Communitys verzeichneten kaum eine Entwicklung in ihren Reichweiten: Instagram lag bei neun Prozent und Snapchat bei sechs Prozent wöchentlicher Nutzung. WhatsApp, das als Instant-Messagingdienst startete und zunehmend Community-Eigenschaften bietet, steigerte seine Reichweite kontinuierlich: im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozentpunkte auf 64 Prozent Nutzung mindestens einmal pro Woche und 55 Prozent täglich.

All diese Ergebnisse deuten somit nicht darauf hin, dass den Menschen das Internet zu kompliziert wäre.

weiterempfehlen

Weitere Artikel

Bürgerveranstaltung in Sankt Johann

Sankt Johann wird Highspeed Internet Gemeinde

• Bürgerinformationsveranstaltung gut besucht • Highspeed-Internet mit 300 ...

Frauenhände auf Laptop

Mythen über Sicherheit im Internet

Sicherheit im Internet ist in unserer Gesellschaft ein großes Thema. ...

Das Warten in Hatzenport hat ein Ende – Breitbandnetz in Betrieb

• Aufbau der Breitband-Infrastruktur im Bereich „Auf dem Dattel“ ...