Onlinesprechstunden als Alternative zu langen Wegen und langen Wartezeiten

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Man fühlt sich schlecht, hustet, niest, schnieft und möchte am liebsten nur im Bett liegen. Aber man braucht ein Rezept und eine Krankschreibung. Außerdem möchte man ja wissen, ob es sich wirklich nur um eine Erkältung handelt. Also rafft man sich auf und geht zum Arzt. Heute stellt man den Laptop neben das Bett, meldet sich in der Praxis für eine Onlinekonsultation an, erhält einen Termin und eine TAN zum Einloggen, kuschelt sich unter die Decke und wartet, bis die Verbindung zur Praxis per Skype, FaceTime oder wie auch immer hergestellt wird. Dann sitzt man dem Arzt am Bildschirm gegenüber, schildert sein Problem und erhält die entsprechenden Behandlungsempfehlungen. Die schöne digitale Welt und Fortschritte in der Rechtsprechung machen es möglich.

Immer mehr Onlineleistungen erlaubt

Onlinesprechstunden gehören bereits seit April 2017 auch in Deutschland zur ärztlichen Versorgung, die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Galten bis zum vergangenen Jahr noch einige Einschränkungen, wurden die Leistungen, die per Video von Ärzten erbracht werden dürfen, inzwischen erweitert. Nach der neuen Regelung dürfen Ärzte – einen Patienten per Video beraten, auch wenn sie vorher noch keinen Kontakt zu ihm hatten; – die Nachsorge-Behandlung bei festgelegten Indikationen durchführen, auch wenn sich der Patient zuvor nicht persönlich in der jeweiligen Praxis vorgestellt hat.

Vor- und Nachteile der digitalen Behandlung

Die Vorteile der Onlinebehandlung für die Patienten liegen auf der Hand: Der Anfahrtsweg zur Arztpraxis und langes Herumsitzen im Wartezimmer entfallen. Das kommt vor allem Bewohnern in ländlichen Gebieten, älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung zugute. Man muss nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich zum Arzt rennen. Oft reicht schon eine kurze Begutachtung durch den Arzt, um einige Dinge selbst zu kurieren. Rezepte allerdings werden (noch) nicht online übermittelt. Erst ab 2020 soll das elektronische Rezept verschickt werden dürfen.

Menschen, die eine ständige Betreuung brauchen, können sich ebenfalls die regelmäßigen Arztbesuche sparen. Persönliche Präsenz gepaart mit Gesprächen am Computer können eine optimale Behandlungsmethode garantieren. Wer auf Gran Canaria, in Nairobi oder in Mexiko krank wird, will nicht unbedingt einen lokalen Arzt oder ein lokales Krankenhaus aufsuchen. Hier kann oft schon eine Konsultation mit dem Arzt zu Hause per Computer helfen. Aber nicht nur Patienten bringt die Fernbehandlung Vorteile. Die Ärzte selbst profitieren in hohem Maße davon, wenn sich die Wartezimmer leeren. Erste Erfahrungen mit digitalen Modellprojekten wurden in Baden-Württemberg ausgewertet. Danach ist die Resonanz positiv. Vor allem Patienten mit grippalen Infekten oder Magen-Darm-Problemen nutzen die Onlinesprechstunden – Krankheiten, die sich per Ferndiagnose schnell erkennen und leicht behandeln lassen.

Natürlich gibt es auch Nachteile. Sieht der Arzt sein Gegenüber nur am Bildschirm, fehlt ihm der ganzheitliche Blick auf den Patienten. Manche Patienten mögen die Onlinebehandlung als unpersönlich empfinden und befürchten eine Entfremdung des Arzt-Patienten-Verhältnisses. Verwertbare Erkenntnisse zu dieser Behandlungsmethode sind sicher erst verfügbar, wenn langjährige Erfahrungen vorliegen.

Stabile Datenübertragung und Datensicherheit als Voraussetzung

Eine wichtige Rolle bei der Nutzung von Onlinesprechstunden spielen die Übertragungsnetze und die Datensicherheit. Eine 1-A-Internetverbindung ist natürlich die Voraussetzung für eine Onlinesprechstunde. Eine stabile Verbindung, das heißt eine gute Sprach- und Bildqualität ohne Unterbrechungen, kommt nur bei einer hohen Übertragungsgeschwindigkeit zustande. Beide Seiten – sowohl der Arzt als auch der Patient – müssen über eine entsprechende Internet-Anbindung verfügen. Viele Menschen haben Sicherheitsbedenken. Das ist verständlich – schließlich handelt es sich um vertrauliche Gespräche zwischen Arzt und Patient. Allerdings bieten Unternehmen, die Video-Sprechstunden organisieren, eine End-zu-End-Verschlüsselung, das heißt, Drittanbieter können die Gespräche weder mitverfolgen noch speichern.

Die Digitalisierung hat in der Medizin schon längst Einzug gehalten. Von der digitalen Auswertung von Befunden bis zu modernsten Operationsmethoden treiben IT und Telekommunikation Innovationen der Branche voran. Onlinesprechstunden sind zwar nur ein ganz kleiner Teil der Entwicklung. Aber für diejenigen, die sich eine Erkältung eingefangen haben, sind sie eine Revolution.

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