Mythen über Sicherheit im Internet

Mythen über Sicherheit im Internet

Sicherheit im Internet ist in unserer Gesellschaft ein großes Thema. Tatsächlich lauern eine Menge Gefahren im Netz – allerdings entspricht nicht alles, was als gefestigtes Wissen weitergegeben wird, den Tatsachen. Es gibt zahlreiche Mythen zur Datensicherheit, sowohl solche, die einen zu lockeren Umgang mit den eigenen Daten rechtfertigen, als auch solche, die aus Angst vor Datenklau zahlreiche Annehmlichkeiten, die das Internet bietet, unter den Tisch kehren. Hier eine Auswahl der gängigsten Behauptungen.

Ausgeschaltete Handys kann man nicht orten

Smartphones werden mit ihrer Anbindung an Mobilfunk, WLAN oder Bluetooth auf zwei Wegen gefunden: Der Datenaustausch mit der Funkzelle ermöglicht es, den ungefähren Standort des Gerätes zu ermitteln. Die GPS-Verbindung bietet eine genaue Standortbestimmung. Beide Varianten setzen allerdings voraus, dass das Mobiltelefon eingeschaltet ist oder sich im Stand-by-Modus befindet. Ist das Telefon hingegen im Flugmodus oder ausgeschaltet, kann es keine Verbindungen herstellen und damit eigentlich nicht geortet werden. Eigentlich. Technisch möglich soll die Ortung auch nach dem Ausschalten sein, wenn das Smartphone mit einer Software infiziert wurde, die auch bei ausgeschaltetem Handy die Verbindung zur Funkzelle oder zum Satelliten aufrechterhält. Dabei handelt es sich um Schad- oder auch Spionagesoftware, die in der Welt der Geheimdienste oder Kriminellen eingesetzt wird.

Wirklich unbrauchbar für die Ortung machen Sie Ihr Smartphone nur, wenn Sie den Akku entfernen – was bei den meisten Modellen allerdings nicht möglich ist. Denken Sie aber daran, dass nicht nur Smartphones Ihren Standort verraten. Auch Fitnesstracking-Apps geben preis, wo Sie sich wann befinden. Die App von Strava zum Beispiel legt nicht nur per öffentlich zugänglicher Heat-Map die Aktivitäten ihrer Nutzer offen – sie verriet Anfang 2018 dabei auch die Standorte geheimer Militärbasen samt der Trainingsrouten der dort stationierten Soldaten.

Macs haben keine Viren

Fakt ist: Mac-Rechner haben weniger mit Virenproblemen zu kämpfen als Windows- und Android-Betriebssysteme. Macs sind für Massenangriffe von Schadsoftware unattraktiver, da etwa 90 Prozent der Rechner auf einem Windows-System laufen. Das heißt aber nicht, dass es keine Viren beim Mac gibt. Zwar ist macOS ein sehr sicheres Betriebssystem, aber durch die Installation von Software oder über Schwachstellen in Browsern und Plugins gelangen Schadprogramme auch auf den Mac-Rechner. Das wachsende Angebot an Viren-Schutzprogrammen für den Mac zeigt, dass die Nutzer das Problem ernst nehmen sollten.

Mein E-Mail-Anbieter kann meine E-Mails mitlesen

Ja, das ist so. Wenn die E-Mails auf dem Server liegen, können sie von dem Unternehmen, das Ihre E-Mails verwaltet, mitgelesen werden. Die Frage ist, was das Unternehmen damit macht. Google zum Beispiel scannte die E-Mails nach Stichworten für Werbezwecke. Nachdem die Empörung der Nutzer immer größer wurde, kündigte Diane Greene, CEO Google Cloud, im Juli 2017 auf dem Firmen-Blog an, das Scannen der Nachrichteninhalte einzustellen.

Aber nicht nur die Provider können mitlesen. Bei unverschlüsselten E-Mails ist es für Profis nicht sonderlich schwer, sich in einen E-Mail-Verkehr einzuhacken. Nach Angaben des IT-Verbandes Bitkom verschlüsseln nur etwa 15 Prozent der Nutzer ihre E-Mails. Dabei gibt es verschiedene Verschlüsselungsverfahren, die hier zum Einsatz kommen können. Bei einigen Anbietern werden die E-Mails sogar automatisch verschlüsselt.

Cookies stellen eine Bedrohung dar

Cookies sind kleine Dateien, die nach dem Besuch einer Internetseite auf dem Computer oder Smartphone abgelegt werden. Wenn die Seite wieder besucht wird, werden die gespeicherten Informationen aufgerufen. So müssen Sie beispielsweise Daten, die Sie einmal in Formulare eingetragen haben, nicht immer wieder eintippen. Das ist eine gute Sache. Da die Firmen die Besucher ihrer Internetseite über die Verwendung von Cookies informieren, wird dies von vielen Besuchern nicht als Information, sondern als Warnung verstanden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schreibt zu diesem Thema: “Weil Cookies keine ausführbaren Programme sind, stellen sie kein direktes Sicherheitsrisiko dar. Dennoch sind sie nicht unproblematisch: Cookies werden auch eingesetzt, um Internetseiten auf Ihre persönlichen Wünsche zuzuschneiden. Problematisch ist, dass hierbei ein sehr genaues Nutzerprofil angelegt werden kann. Unternehmen setzen solche Cookies zum Beispiel ein, um passende Werbung anzuzeigen.” Sie können die Verwendung von Cookies ablehnen – verzichten damit aber auch auf einen bestimmten Komfort.

Google erfasst immer und überall meinen Standort

Nicht nur Google. Wenn Sie den verschiedenen Apps beim Herunterladen erlauben, dass sie auf Ihren Standort zurückgreifen dürfen – ja, dann weiß der Anbieter immer, wo Sie sind: Google, Mac, der öffentliche Nahverkehr, das Taxiunternehmen, der Fitness-App-Entwickler, der Food-Lieferservice. Sie können den Zugriff verweigern, aber dann hat das Verwenden der App wenig Sinn.

Über die Webcam kann ich immer beobachtet werden

Über verschiedene Software kann sich heute jeder mit jedem Computer verbinden. Das ist eine tolle Möglichkeit, gemeinsam zu spielen oder Reparaturen von Experten ausführen zu lassen. Die Partner erhalten dadurch vollen Zugriff auf den PC oder Mac einschließlich der Kamera – allerdings mit Ihrer Zustimmung. Für Hacker sollte es keine allzu große Schwierigkeit darstellen, sich mittels Schadsoftware auch ohne Erlaubnis Zugang zu Ihrem Computer und damit auch zur Webcam zu verschaffen – es sei denn, Sie widmen dem Thema Sicherheit entsprechende Aufmerksamkeit. Einige Experten empfehlen, die Webcam als einfachste Lösung schlicht zuzukleben.

Firewall und Antiviren-Software bieten ultimativen Schutz

Firewall und Antiviren-Software bieten zuverlässigen Schutz vor Schäden verschiedener Art und Hackerattacken. Punkt. Ultimativ ist der Schutz nicht. Beim Schutz seiner Daten sollte man sich nicht nur auf die Technik verlassen. Wichtig ist auch das eigene Online-Verhalten. Wenn ich eine Erkältung vermeiden will, schüttle ich nicht denen die Hände, die erkältet sind, sondern meide gefährliche Orte der Virenübertragung. Genauso im Netz. Der Besuch illegaler Downloadseiten birgt zweifellos größere Ansteckungsgefahren für Schadsoftware als seriöse Webseiten.

Apps sind sicherer als Browser

20 Prozent der Nutzer von Apps auf dem Smartphone gaben in einer Online-Befragung von TNS Infratest im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit im Internet im Oktober 2016 an, keinerlei Sicherheitsfunktionen zum Schutz ihrer persönlichen Daten (Kontakte, Fitness-Informationen, Fotos, Termine) auf dem Smartphone eingerichtet zu haben. Nicht einmal die Hälfte führt regelmäßige Software-Updates durch, um Sicherheitslücken zu schließen. Insofern haben Nutzer Sicherheitslücken der Apps auf dem Smartphone nicht so im Blick wie den Browser auf dem PC oder Mac. Die gefühlte Sicherheit ist größer, keinesfalls die reale.

Verborgene WLAN-Netze lassen sich nicht hacken. Schon vor vier Jahren schrieb die Computerzeitschrift Chip: “Versteckte WLAN-Netzwerke finden und verbinden – so gehts”. Und es folgte eine Anleitung, wie man schnell in WLAN-Netze mit verstecktem SSID (Service Set Identifier) hineinkommt, um zu zeigen, dass die Annahme, WLAN-Netze lassen sich nicht hacken, in die Welt der Märchen gehört.

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