Landgasthof „Baunhöller-Mühle“ ist gerettet

innogy highspeed Glasfaserausbau in Braunhöller Mühle

Rhein-Hunsrück Kreis, 10. August 2019

Von ISDN-Abschaltung bedrohter Betrieb erhält ersten Glasfaseranschluss im Zuge des kreisweiten Breitbandausbauprojekts

Von unserer Redakteurin Denise Bergfeld

Emmelshausen. Vor einem Jahr noch mussten die Betreiber des Landgasthofs „Baunhöller-Mühle“ um ihre Existenz bangen. Die Deutsche Telekom hatte in einem Schreiben angekündigt, den Telefon- und Internetanschluss des bei Emmelshausen gelegenen Betriebs abzuschalten, weil die veraltete Technik nicht mehr weiterbetrieben wird. Unsere Zeitung hatte über den Fall berichtet. Jetzt, nach monatelanger Ungewissheit, können alle Beteiligten aufatmen.

Baunhöller-Mühle wird jetzt über einen Glasfaseranschluss versorgt

Die Geschichte hat ein glückliches Ende gefunden: Die „Baunhöller-Mühle“ hat den ersten von knapp 1000 Anschlüssen im Zuge des Breitbandausbauprojekts des Rhein-Hunsrück-Kreises erhalten und wird nun von innogy mit schnellem Internet und Telefonie über Glasfaser versorgt.

Rückblick: Die Deutsche Telekom wollte die „Baunhöller-Mühle“ schon zum 16. Juni 2018 vom Netz nehmen. Nach diversen Schriftwechseln, Telefonaten und Interventionen über Presse und Politik gewährte das Unternehmen dem Gasthof einen Aufschub von einem Jahr, in dem die Betreiberfamilie Zeit hatte, um nach einer Lösung zu suchen. Denn das eigentliche Problem blieb bestehen. Die „Baunhöller-Mühle“ benötigte dringend einen Breitbandausbau.

Ohne Telefon- und Internetanschluss hätte Familie Becker ihren Betrieb schließen müssen. Gäste hätten keine Feiern oder Übernachtungen mehr buchen können, mit dem elektronischen Bezahlen wäre auch Schluss gewesen. Doris Becker betreibt die Gaststätte und Pension gemeinsam mit ihrem Mann seit 15 Jahren. Sie bieten dort Gästezimmer, Apartments und Ferienwohnungen für bis zu fünf Personen an, richten Familien- und Betriebsfeiern aus und bieten ihren Gästen gutbürgerliche Küche.

Die Telekom erklärte damals zwar, sie wolle sich darum bemühen, zu klären, ob ein Breitbandausbau für die beiden Hotelanschlüsse auf einem anderen Weg bewerkstelligt werden kann. Die Lösung kam dann letztendlich aber auf einem anderen Weg ins Haus.

Das Unternehmen innogy, das vor rund einem Jahr den Zuschlag für das kreisweite Breitbandausbauprojekt erhalten hatte, legte Glasfaser bis ins Haus. Wo über die alten Telekomleitungen früher nur 0,368 Megabit pro Sekunde zur Verfügung standen, sind es jetzt knapp 300 Megabit.

Damit sind alle Zukunftssorgen vom Tisch, und der Landgasthof ist mit einem modernen und schnellen Internetanschluss versorgt, der bereits funktioniert. Demnächst erfolgt noch die Portierung der Telefonnummer von der Telekom hin zu innogy. Über den neuen Anschluss können jetzt Telefonie, schnelles Internet und auch HD-TV-Fernsehen angeboten werden. „Mit der aktuell zukunftsweisenden Glasfasertechnologie gehört der Landgasthof jetzt zu den bestversorgten Adressen“, sagt Joachim Busch, Leiter der Region Rhein-Nahe-Hunsrück bei innogy. „Das neue Breitbandnetz ist nicht nur ein Meilenstein für den Landgasthof, sondern macht deutlich, dass innogy den Breitbandausbau im ländlichen Raum fördert und Lösungen für die abgelegensten Orte bietet.“

Hohe Förderungen für den Breitbandausbau in der Fläche

Möglich ist dies aber nur, da das 11,2 Millionen Euro umfassende Breitbandausbauprojekt des Rhein-Hunsrück-Kreises mit 50 Prozent vom Bund und mit 40 Prozent vom Land gefördert wird. Die verbleibenden Eigenanteile werden von den Städten und Ortsgemeinden getragen. Ziel ist es, alle Anschlüsse im Kreis zu optimieren, deren Geschwindigkeit unter 30 Megabit pro Sekunde liegen.

Die Höchstgrenze für die Aufnahme in das Förderprogramm ist aber bereits erreicht. Derzeit werden prekäre Standorte, wie von der ISDN-Abschaltung bedrohte Betriebe, vorgezogen, betont Sandra Zilles, die als Dezernentin bei der Kreisverwaltung arbeitet. Bis zum Sommer 2020 sollen knapp 1000 Anschlüsse, darunter auch 40 Schulen und 170 Unternehmen, mit einem Glasfaseranschluss versorgt sein.

Den Gästen der „Baunhöller-Mühle“ steht nun im kompletten Landgasthof freies WLAN zur Verfügung. Ein Meilenstein für Geschäftsführerin Doris Becker, der vor rund einem Jahr noch fast undenkbar erschien. „In unserem Landgasthof ist schnelles Internet bei der täglichen Arbeit und vor allem im Reservierungsbereich schon nicht mehr wegzudenken. Auch die Kommunikation zwischen unseren Lieferanten und dem Einzelhandel in der Region erfolgt fast nur noch online“, sagt sie.

„Mit dem Ausbau des Landgasthofs sind wir unserem Ziel, auch abgelegene Orte in unserer Verbandsgemeinde mit möglichst hohen Downloadgeschwindigkeiten zu versorgen, ein großes Stück nähergekommen. Der Ausbau des Mega- und Giganetzes bietet insbesondere dem ländlichen Raum und damit unseren Kleinstädten und Gemeinden enorme Chancen“, ist sich auch Peter Unkel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Emmelshausen, sicher.

Die Zeiten, in denen Doris Becker im Auto mit ihrem Handy rauf aufs Feld fahren musste, um die Telekom-Störungshotline zu erreichen, sind damit endgültig vorbei. Manchmal verbachte sie dort mehr als eine halbe Stunde, wenn wieder einmal ein Baum auf die mehrere Kilometer lange, frei hängende Oberleitung gestürzt war, und versuchte einen Techniker ans Telefon zu bekommen. Denn hinzu kommt: Auf dem Mühlengelände gibt es keinen Mobilfunkempfang. Weder die Telekom noch Vodafone noch O2 haben ihr Netz bis dorthin ausgebaut.

Glasfaser wurde bis zum Landgasthof überirdisch verlegt

Kurz vor Ostern hatte wieder ein Baum die Leitung gekappt, erzählt Doris Becker. In drei Wochen sei der Schaden behoben, habe man ihr an der Störungshotline zu verstehen gegeben. Drei Wochen ohne Telefon und Internet aber können heute einen Betrieb in den Ruin treiben.

Diese fortwährende Sorge sind die Beckers nun los. Der Breitbandausbau im Kreis geht unterdessen weiter: Weitere entlegene Liegenschaften, Aussiedlungen und Gehöfte sollen nun nach und nach über das Glasfasernetz versorgt werden. Im Falle „Baunhöller-Mühle“ erfolgte die Anbindung überirdisch. Allerdings nicht über die alten Telekommasten von Emmelshausen aus, sondern von Ehr über das Mittelspannungsnetz. Die Kosten dafür schätzt Joachim Busch auf rund 40 000 Euro. Eine Investition, die ein Unternehmen ohne eine Förderung rein über die monatlichen Anschlussgebühren nicht wieder erwirtschaften würde.

Foto: Glückliche Gesichter bei den Betreibern des Landgasthofs „Baunhöller-Mühle“: Doris Becker und ihr Mann Karl-Heinz (Mitte) haben endlich einen stabilen und schnellen Internet- und Telefonanschluss. Vor einem Jahr noch musste das Betreiberehepaar um seine Existenz bangen, weil die Telekom angekündigt hatte, ihren ISDN-Anschluss abzuschalten. Sie sind nun die ersten, die vom Breitbandausbauprojekt des Kreises profitieren. Am Landgasthof trafen sich mit ihnen (von links) Sandra Zilles, Dezernentin bei der Kreisverwaltung, Joachim Busch, Leiter der Region Rhein-Nahe-Hunsrück bei innogy, Eva Wagner, Leiterin des Regionalzentrums Rhein-Nahe-Hunsrück, und VG Bürgermeister Peter Unkel, um sich von der neuen Technik zu überzeugen.

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