Instagram räumt auf

Instagram räumt auf

Schon lange hat Instagram es angekündigt, nun ist es wahr geworden: Facebook, der Mutterkonzern der Foto- und Video-Plattform Instagram, entfernt Fake Accounts. Allein im ersten Quartal 2019 hat das Unternehmen 2,2 Milliarden falsche Konten gelöscht, die meisten innerhalb weniger Minuten nach der Registrierung, noch bevor sie überhaupt aktiv werden konnten. Was bedeutet diese Aktion für die Nutzer der beliebten Plattform, für die Influencer, die Follower und die Werbeindustrie?

Viele Likes, viele Follower, viel Geld

Instagram lebt von der Masse. Viele Likes, viele Follower, viel Geld. Instagram ist als soziales Medium unter anderem deshalb besonders begehrt, weil man über eine entsprechende Selbstdarstellung per Foto und Video tatsächlich Einnahmen erzielen kann. Dieses sogenannte Influencer-Marketing hat für Unternehmen einen hohen Stellenwert. 60 Prozent der werbetreibenden Firmen in Deutschland bewerben ihre Produkte oder Dienstleistungen auch über Influencer, so das Statistik-Portal Statista. Wie bei den „alten“ Medien auch spielt die Reichweite der User dabei eine entscheidende Rolle, mit wem man in die Werbeschlacht zieht. So beschäftigt sich die Werbewirtschaft vorrangig mit Account-Inhabern, die mit einer umfangreichen Fangemeinde und hohen Like-Zahlen aufwarten können: Prominente und begnadete Selbstdarsteller. Zahlreiche Rankings zu den meisten Klicks, Likes oder Shares heizen den Run auf Masse weiter an. Über 150 Millionen Follower möchten es schon sein, um in die Top 5 der weltweit begehrtesten Influencer zu kommen. 10 bis 20 Millionen Follower sind nötig, um in Deutschland zu den Top 5 zu gehören. Dass hinter einem großen Teil dieser nach außen hin gut sichtbaren Zahlen keine echten Menschen stecken, sondern Bots, wird der Werbewirtschaft jetzt so nach und nach klar. Spätestens, wenn eine Seite plötzlich mehr Likes als Aufrufe hat, wird klar, dass Maschinen statt Menschen am Werk sind.

Schaden für Facebook, Instagram & Co.

„Fake Accounts schaden unserer Plattform und unserem Geschäftsmodell“, hat Facebook unlängst auf seiner Internetseite bekannt gegeben. Das ist logisch. Schließlich möchte die Werbeindustrie Menschen erreichen und keine Maschinen. Schätzungen des Unternehmens gehen davon aus, dass Fake Accounts derzeit weltweit rund fünf Prozent der monatlichen aktiven Nutzer repräsentieren. Auch den Run auf die Likes will das Unternehmen jetzt eindämmen. „Wir wollen, dass Instagram ein Ort ist, an dem sich Menschen wohlfühlen und frei ausdrücken können. Dazu gehört auch, den Menschen zu helfen, sich auf die Fotos und Videos zu konzentrieren, die sie teilen, und nicht darauf, wie viele Likes sie dafür bekommen.“ Derzeit läuft ein Test in verschiedenen Ländern, auch in Deutschland, der Likes unter Instagram-Einträgen nur noch für den Inhaber des Kontos sichtbar macht.

Freiwillige Kontrollen bringen Vertrauen

Auf Influencer, die vom bisherigen Geschäftsmodell profitierten, haben die Maßnahmen, die mehr Ehrlichkeit in die sozialen Netze bringen sollen, zweifellos große Auswirkungen. Eine Katastrophe sind sie nicht. Im Gegenteil: Sie schaffen Vertrauen. Mag die Zahl der Follower von 100 Millionen auf 10 Millionen schrumpfen, weiß man nun doch, dass dies keine gefakten Angaben sind. Von der eingesessenen Medienlandschaft, also Tageszeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und TV, verlangt die Werbewirtschaft schon immer den Nachweis, dass Abonnenten auch Abonnenten sind und Leser und Hörer nicht erfunden wurden, sondern real existieren. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) wacht über die Medienlandschaft. Auch Online-Produkte können sich hier einer Prüfung ihrer Nutzer-Angaben unterziehen. Die Kontrollen sind freiwillig. Ein solches System wird sich früher oder später auch bei Instagram & Co. etablieren – zum Nutzen der Plattformbetreiber, der Werbewirtschaft, der Influencer und der Fangemeinden. User, die einfach nur Spaß daran haben, ihre Fotos und Videos bei Instagram mit Freunden zu teilen, können sich auch weiterhin nur auf Inhalte konzentrieren und das Problem mit den Klicks und Likes den anderen überlassen.

weiterempfehlen

Weitere Artikel

Social Commerce legt den Turbo ein: Schnelles Shopping bei Instagram, Pinterest & Co.

„We predict that 2020 will be the year that Social Commerce takes off.” Die ...

Schnelles Netz für die ersten Ortschaften

04. September 2020 FTTH-Infrastruktur in Oberndorf, Rückershausen, ...

Smart Cities: Schlaue Ideen für lebenswerte Städte

Ein grau verhangener Himmel, darunter grelle Lichterflut, eckige ...