Das Phänomen der beliebten Kochvideos

Das Phänomen der beliebten Kochvideos

Vor gar nicht langer Zeit waren es lustige Katzenclips, heute sind es Kochvideos, die in den sozialen Netzwerken millionenfach geklickt und an Freunde weiterverschickt werden. Die kurzen Filme, die im Zeitraffer die Zubereitung von Gerichten zeigen, überfluten Facebook & Co. Sind es die Rezepte für gutes Essen, die die Food-Videos so erfolgreich machen, oder die Rezepte für ein erfolgreiches Marketing? Was steckt hinter dem Hype?

Essen und Video gehören zusammen

Food-Videos bringen zwei Dinge zusammen: den Siegeszug der visuellen Wahrnehmung und den aktuellen Hype um das Essen. Jeder Deutsche konsumiert nach Angaben der AGF Videoforschung etwa 35 Minuten pro Tag Bewegtbilder aus Streaming-Diensten. Über 50 Prozent der über 14-jährigen Deutschen stimmen nach einer aktuellen Umfrage des Marketing-Spezialisten VuMA Touchpoints 2019 der Aussage zu „Gutes Essen und Trinken spielt in meinem Leben eine große Rolle“. Neun Millionen Deutsche bezeichnen sich sogar als Genießer. Dass beides im Zusammenspiel den Menschen Freude macht, wussten schon vorherige Generationen. Bereits 1953 trat der Schauspieler Clemens Wilmenrod als erster deutscher Fernsehkoch zur besten Sendezeit am Abend vor die Kamera. Er gilt als Erfinder des Toast Hawaii. Das DDR-Fernsehen produzierte zwischen 1958 und 1983 ca. 650 Folgen der Sendung „Der Fernsehkoch empfiehlt“ mit Kurt Drummer. Später kam noch ein Fischkoch hinzu. Die Beliebtheit von Kochsendungen oder Kochvideos führt allerdings nicht dazu, sich selbst an den Herd zu stellen. Wie Sportsendungen die Zuschauer nicht fit machen, so bringen Kochvideos noch kein tolles Essen auf den Tisch. Die Zahl der Personen, die regelmäßig in Deutschland kochen, hat sich seit 2015 nur leicht von 34,9 Millionen auf 35,85 Millionen erhöht. Aber auch diejenigen, die nie kochen, sind mehr geworden. Anderen beim Kochen zuzusehen scheint zu den Momenten zu gehören, die das Leben schöner machen. Clevere Medienunternehmen haben das schon vor langer Zeit erkannt und nach den Fernsehköchen Prominente und Starköche vor die Kamera gestellt. Die Möglichkeit der Verbreitung auf den sozialen Medien hat das Konzept weiterentwickelt.

Zeitlos, harmlos und ästhetisch

Einer der großen Produzenten solcher Videoclips ist das amerikanische Medienunternehmen BuzzFeed mit seiner Plattform Tasty, die es auch auf Deutsch gibt. Hier werden Kochvideos am Fließband produziert und anregend präsentiert. Die meisten dauern nicht länger als eine Minute. Mit einer sehr persönlichen Ansprache werden User zum Klicken animiert: Die Gerichte sind „megaeinfach, megalecker“, das „perfekte Wohlfühlgericht“, „genau das, was du jetzt willst“. Zutaten, Kochzeit und Temperatur werden eingeblendet, gesprochene Kommentare gibt es kaum. Das Video ist mit passender Musik unterlegt, mal rasant, mal romantisch. Die Inhalte sind zeitlos, harmlos und ästhetisch. Inzwischen hat das Portal natürlich zahlreiche Nachahmer in Deutschland gefunden. Vom Start-up Foodboom GmbH bis zum Lebensmittelhändler REWE kämpfen die Unternehmen um die Aufmerksamkeit der User – alle nach einem Rezept: Erwärmen Sie zuerst die Emotionen, fügen Sie ein wenig Nähe hinzu, geben Sie genügend Unterhaltung bei, rühren Sie Authentizität hinein und würzen Sie alles mit Humor. So will jeder Anbieter viral gehen – also Millionen von Klicks generieren. Ob und wie lange die Unternehmen mit Kochvideos aber Geld verdienen können, lässt sich schwer abschätzen. Für die Liebhaber von gutem Essen und guter Videounterhaltung jedenfalls sind die Clips ein Genuss.

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