Das digitale Vermächtnis: Wie umgehen mit dem digitalen Nachlass?

Digitales Vermächtnis

Hinterlassenschaft im Netz schon heute regeln

Was kann man mit einem schnellen Internet nicht alles anstellen: online einkaufen, Fotos verwalten, Daten in die Cloud laden, Musik hören, Filme streamen, Bankgeschäfte abwickeln, Konzert- oder Kinokarten bestellen, Autos mieten oder Reisen buchen. Aber was passiert mit all den Dingen nach Ihrem Ableben. Wissen Ihre Eltern, wie man das Netflix-Abonnement kündigt? Kennen Ihre Kinder das Passwort für den Zugang zu Ihrem Konto? Wer heute ein Testament erstellt, lässt sich in der Regel von der analogen Welt leiten. Selbst Fachanwälte vergessen schlicht und einfach die Aufnahme des Internet-Erbes im letzten Willen. Dabei kann gerade dieser Teil des Erbes sehr viel Frust verursachen, wenn nicht geregelt wurde, wer Zugriff auf die Daten bekommt. Schließlich müssen die Erben darauf gefasst sein, dass Abonnements und Verträge, von denen sie nichts wissen, über Monate weiterlaufen. Schließlich handelt es sich um eine Vielzahl von Rechtspositionen eines verstorbenen Internetnutzers, vor allem dessen Vertragsbeziehungen zu Host-, Access- oder E-Mail-Providern sowie zu Anbietern sozialer Netzwerke oder virtueller Konten. Zum digitalen Nachlass zählen auch Eigentumsrechte des Verstorbenen an Hardware, Nutzungsrechte an Software, Urheberrechte und Rechte an Fotos, Einträgen oder Blogs.

Rechtliche Situation in Deutschland unklar

Nach jetzigen rechtlichen Regelungen in Deutschland können Daten nämlich einfach einbehalten werden, wie jüngst ein Fall zeigte, bei dem das Kammergericht Berlin entschieden hatte, dass Facebook an die Eltern eines verstorbenen Kindes keine Daten herausgeben muss. Die Lage ist in Deutschland unklar. Hier streiten sich die Gelehrten. Grundsätzlich gilt: Vererbt wird auch der digitale Nachlass. Aber gehört hierzu nur der vermögensrechtliche Teil oder auch die Zugangsdaten und die Inhalte der Accounts wie Fotos oder Chats? Nach Ansicht des Kammergerichtes Berlin geht der Schutz des Fernmeldegeheimnisses nach dem Telekommunikationsgesetz vor. Zweifellos ist der Gesetzgeber gefragt, Erbrecht und Datenschutz mit dem digitalen Zeitalter in Einklang zu bringen. In dieser unübersichtlichen Situation machen immer mehr Internet-Portale und Verbraucherorganisationen auf die Notwendigkeit aufmerksam, das Erbe im Netz noch zu Lebzeiten zu regeln. Die Stiftung Warentest veröffentlichte im Sommer 2016 ein Special zum Digitalen Nachlass. Ihr Rat:

  • Verschaffen Sie sich regelmäßig einen Überblick über Ihre Onlineaktivitäten. Listen Sie für jedes Konto die Zugangsdaten auf. Dann können Erben oder andere Vertrauenspersonen darauf zugreifen.
  • Daten, die niemandem in die Hände fallen sollen, löschen Sie am besten von Zeit zu Zeit. Das können E-Mails oder Fotos sein.

Für Facebook hat die Stiftung Warentest noch einmal ganz spezielle Verhaltensregeln aufgestellt. Letztlich laufen sie darauf hinaus, die Möglichkeiten zu nutzen, die Facebook selbst für einen Todesfall anbietet. Im Hilfebereich findet sich nämlich „Einen Nachlasskontakt auswählen“. Auch kann das Konto auf Anweisung des Users nach dessen Tod gelöscht oder in einen Gedenkzustand versetzt werden. Auch Google, Twitter & Co bieten den Service an, dass der User auf der Seite selbst bestimmen kann, was mit seinen Daten passiert. Nur neun Prozent der Internetnutzer haben den Nachlass geregelt.

Den klugen Ratschlägen folgen aber nur wenige Internetznutzer. In einer repräsentativen Umfrage vom August 2017, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat, sagen acht von zehn Internetnutzern (80 Prozent), dass sie ihren digitalen Nachlass noch überhaupt nicht geregelt haben. Immerhin neun Prozent haben ihren digitalen Nachlass bislang wenigstens teilweise, weitere neun Prozent haben ihn vollständig geregelt. Eine solche Situation ruft natürlich nach Beratungsfirmen. Das Unternehmen Optimierung.net beispielsweise ist seit kurzem mit der Plattform „digitale-existenz.com“ am Markt. „Wir beraten Firmen seit 20 Jahren, wie sie sich so positionieren können, dass sie im Internet besser auffindbar sind“, sagt Inhaberin Gerda von Radetzky. „Da liegt es nahe, nun auch im Bereich digitaler Nachlass tätig zu sein.“ Leben könne man von dieser Dienstleistung noch nicht, denn die Zusammenstellung der digitalen Aktivitäten einer Firma oder einer Privatperson – vom PC über das Handy bis zum Internet – sei sehr aufwändig und damit teuer. Nicht jeder könne sich das leisten, so von Radetzky. Einen guten Ratschlag gibt sie allerdings auch kostenlos: Bei online-Verträgen immer das Kleingedruckte lesen – denn dort steht in der Regel, wie man Daten wieder löschen kann.

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