Aktuelle Erkenntnisse zum Thema Internetsucht

Die Schwelle, als „internetsüchtig“ bezeichnet zu werden, ist ziemlich niedrig. Nach dem Selbsttest „Bin ich internetsüchtig?“, den die Krankenversicherung DAK Gesundheit im Internet anbietet, wird schon demjenigen ein “problematischer Internet- oder Computergebrauch” bescheinigt, der seinen Berufsalltag am Computer verbringt und dabei das Internet intensiv nutzt. Das Bundesgesundheitsministerium hatte schon 2011 in einer Studie zur Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA) festgestellt, dass in Deutschland 560.000 Menschen “internetabhängig” sind. Mehr als zwei Millionen Deutsche gelten als gefährdete Nutzer, unter ihnen vor allem junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren.

Drogenbeauftragte: Ein Zuviel schadet der Gesundheit

Macht das Internet wirklich süchtig? “Ja”, sagen die Autoren der im März veröffentlichten DAK-Studie “WhatsApp, Instagram und Co. – so süchtig macht Social Media”, die auf einer Forsa-Befragung von über eintausend Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren im September 2017 beruht.

“Ja” sagt auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler. Ein “Zuviel” an Smartphone und Co. schade der Gesundheit und dem Familienleben.

“Nein” sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Professor Michael Schulte-Markwort, Leiter des Zentrums für psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. “Die Diagnose einer Abhängigkeit von sozialen Medien gibt es gar nicht”, schrieb er als Antwort auf die Interpretation der Forsa-Befragung in einem Spiegel-Beitrag. “Wir alle verändern die Welt, haben weniger direkten Kontakt, sind dafür aber schneller und unmittelbarer im Austausch. Sind wir alle deshalb psychisch auffällig?”

Ein junges Thema in der Medizin

Tatsächlich ist der Einfluss eines exzessiven Internetgebrauchs, insbesondere des Konsums von Spielen, ein junges Thema in der Medizin. Derzeit widmet sich die Wissenschaft der Frage, inwieweit extreme Formen der Mediennutzung tatsächlich zu klinisch relevanten Symptomen führen können und somit in bestimmten Fällen als Ausdruck einer psychischen Störung zu verstehen sind.

Bisher war Internetsucht nicht explizit als psychische Störung anerkannt, einheitliche Diagnosekriterien gab es nicht. So tauchte diese Krankheit bisher auch nicht im Katalog der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf. Es lag im Ermessen des Arztes, ob er die Diagnose einem Punkt im Kapitel “Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen” des ICD zuordnete, beispielsweise unter Punkt F63.0: Pathologisches Spielen.

Gaming Disorder als Diagnose anerkannt

In der aktuellsten Version des ICD-Katalogs, der Mitte Juni 2018 in Kraft trat, ist die Kategorie “Gaming Disorder” (Spielstörung) enthalten, die sowohl für Offline-Videospiele als auch für onlinebasierte Computerspiele gilt.

Mit dem Gebrauch sozialer Medien hat das aber nichts zu tun.

Fakt ist: Die überwiegende Mehrheit, nämlich 85 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, nutzt gemäß der Forsa-Befragung täglich soziale Medien, weitere acht Prozent an fünf bis sechs Tagen der Woche. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei knapp drei Stunden am Tag. WhatsApp ist für 66 Prozent das beliebteste Medium, gefolgt von Instagram und SnapChat. Facebook nutzen nur zwei Prozent der befragten Jugendlichen besonders häufig.

Keine einheitliche Lehrmeinung zu sozialen Medien

Dass sich daraus ein problematischer Gebrauch sozialer Medien ableiten lässt, ist umstritten. „Ob die unkontrollierte und exzessive Anwendung sozialer Netzwerke tatsächlich als sogenannte Verhaltenssucht aufgefasst werden kann, ist Gegenstand derzeitiger wissenschaftlicher Erörterungen. Eine einheitliche Lehrmeinung gibt es derzeit nicht”, erklärte Prof. Dr. Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes und Jugendalters am UKE, im Rahmen einer Pressekonferenz am 1. März 2018 in Berlin. Und der erfahrene Psychologe Michael Schulte-Markwort erklärt: “Kinder werden durch ihren Medienkonsum im Internet nicht sozial inkompetenter – im Gegenteil. Sie können sehr gut zwischen analoger und digitaler Welt unterscheiden und wünschen sich beides. Wir sollten endlich aufhören, unseren Kindern Probleme einzureden. Die Bewältigung der heutigen Welt ist für sie schon schwer genug.”

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